
Zur Designerin berufen
Selbst nennt sie sich eine „recht mutige Dame, die sich nicht die Finger schmutzig machen mag“. Tatsächlich spürt man bei ihr mehr intensive Kraft als
„feine Dame“. Die übermütig blitzenden Augen leuchten, wenn sie von ihrer Berufung spricht:
„Ich habe mich nicht selbst für Design entschieden, es hat mich gewählt“, sagt Mari Isopahkala, die 2011 als Gastdesignerin für Lapponia arbeitet. Die Zusammenarbeit mit Lapponia begann mit dem ersten Preis im
internationalen Lapponia-Schmuckdesignwettbewerb 2010.
Lebhaftes Temperament
Mari Isopahkala hat ein gewinnendes, mitreißendes Lachen, bei dem ihr ganzes Gesicht strahlt, und eine starke Natur, wie sie den Menschen an der finnischen Westküste eigen ist. Aufgewachsen ist sie auf dem Lande, wo Tiere und Landwirtschaft den Alltag bestimmen. Keine Künstlerfamilie also. Und doch es ist die Kindheit, die sie Formen lieben gelehrt hat.
„Schon als kleines Mädchen habe ich stundenlang herumgebastelt, ausprobiert und verbessert. Es wurde immer draußen gespielt und alles selbst gebaut, nach den eigenen Vorstellungen. Ich habe mir auch Kleidung genäht, Sonnenschirme, alles, was Mädchen so schön finden“, erzählt Isopahkala.
Ein Pfad wird zum Weg
Am Design-Institut der Fachhochschule Lahti machte Mari Isopahkala zunächst ihren Abschluss als Möbeldesignerin. Doch das reichte ihr nicht – ihren Weg fand sie, als sie die Aufnahmeprüfung an der University of Art and Design in Helsinki bestand. Die Hochschule mit ihren inspirierenden Dozenten entfachte in Isopahkala eine kreative Begeisterung.
„Mir waren keine Grenzen gesetzt; ich konnte das machen, was ich selbst wollte. Gleichzeitig habe ich verstanden, dass Schubladendenken noch nie mein Ding gewesen ist. Nach der Fachhochschule habe ich nicht mehr viele Möbel entworfen“, lacht Isopahkala.
Das Werk lobt die Meisterin
Die junge Designerin freut sich über das „Jahr ihres Lebens“.
„Ich habe viele Anrufe erhalten und Arbeit gibt es genug.“ Isopahkala ist ihrem Stil treu geblieben, manchmal auch sehr hartnäckig. Während die Serienproduktion blüht, findet es die Künstlerin erfrischend, dass immer mehr Menschen individuelles Design zu schätzen wissen. Und die Arbeit muss so gut sein, dass sie sich von selbst verkauft. Hochwertiges, einfallsreiches Design braucht keine schmückenden Reden. Zu Isopahkalas Prinzipien
gehört es, nicht aufzugeben.
„Es gibt nichts, was nicht geht. Wenn ich etwas nicht selbst kann, suche ich jemanden, der es kann und es mir zeigt. Ich studiere das Material und achte es, um alles darüber zu erfahren.“ Wer Isopahkala zuhört, denkt unwillkürlich an Grenzen, die durchbrochen werden – da ist jemand, der nicht auf seinen Lorbeeren ausruht, sondern immer wieder Neuland entdecken und sein Können weiterentwickeln will.
„Design muss immer einen Grund haben. Neben Zweckmäßigkeit und Bedarf ist für mich die Ästhetik etwas, das mich motiviert und gleichzeitig die Grenzen setzt. Meiner Meinung nach darf auch das funktionellste Produkt schön sein, deshalb gestalte ich unter anderem gern Schmuck und Glas.“ Überraschenderweise stellt sich heraus, dass Isopahkala weder Trends verfolgt noch das Schaffen anderer Designer. Sie möchte sich nicht beeinflussen lassen, sondern ganz aus sich heraus arbeiten. Die Menschen sind heute einfach zu vielen äußerlichen Reizen ausgesetzt. Isopahkala hält an ihren Prinzipien fest: Funktionalität, Ästhetik, Ethik und nachhaltige Entwicklung.
Sie gibt jedoch zu, dass der Schaffensprozess manchmal schwer ist. Auch das gehört wohl zum westfinnischen Charakter: Nichts wird aus der Hand gegeben, bevor man damit nicht absolut zufrieden ist.
„Es wäre eine Lüge zu sagen, dass ich nicht für mich selbst entwerfe. Doch, von mir gehe ich immer aus. Aber darin liegt auch eine Verantwortung – meine Idee mag der Anstoß sein, aber dann muss so lange daran gefeilt werden, bis sie für alle passt. Ich arbeite hart und muss mich manchmal wirklich quälen, aber wenn das gelungene Produkt dann vor mir liegt, ist das ein wahnsinniges Glücksgefühl.“
Leidenschaft für Glas
Mari Isopahkala ist eine außerordentlich vielseitige, erfolgreiche Künstlerin und Designerin. Trotz ihrer jungen Jahre konnte sie bereits zahlreiche Auszeichnungen entgegennehmen. Neben Ausstellungen hat sie sich als Designerin einen Namen gemacht, vor allem mit Glas. Für Isopahkala ist Glas eines der schönsten, aber auch schwierigsten Materialien der Welt. Sie ist froh, dieses Material für sich entdeckt zu haben, doch manchmal verwünscht sie es fast.
„Mancher studiert sein Leben lang Glasdesign, ohne es je zur Meisterschaft zu bringen.“ Neben Glasprodukten hat Isopahkala Läufer, andere Textilien, Leuchten, Besteck und Schmuck entworfen. Einen ihrer gemeinsam mit dem Kollektiv Paspas gestalteten Teppiche hat ABC Carpet in New York im Sortiment.
Sprung in die Welt des Schmucks
Im Oktober wurde die von Isopahkala für Lapponia entworfene Guest-Designer-Kollektion „Winter Pearl“ vorgestellt. Sie spricht über die Zusammenarbeit mit Enthusiasmus:
„Ich war wohl zehn Jahre alt, als ich zum ersten Mal Lapponia-Schmuck sah. Seitdem ist er Teil meiner Vision von Schmuck. In Lapponia-Schmuck gehen Kunst und Können eine harmonische Verbindung ein. Persönliche Erfahrungen in benutzbare Form umzusetzen hat mich immer fasziniert. Lapponia repräsentiert für mich Qualität und Schönheit, die die Jahre überdauern. Die Stücke von Lapponia, die ich vor zwanzig Jahren gesehen habe, fesseln mich immer noch.“ Isopahkala erhielt im letzten Jahr den ersten Preis im internationalen Lapponia-Schmuckwettbewerb „The Next Episode“, zu dem mehr als 140 Entwürfe aus fast dreißig Ländern eingegangen waren.
Wie man sich denken kann, freut sich auch Lapponia über die Zusammenarbeit mit der begabten jungen Designerin. Geschäftsführerin Laura Lares schätzt das Guest-Designer-Konzept sehr.
„Im letzten Jahr konnte Lapponia sein fünfzigjähriges Bestehen feiern. Diese Tradition halten wir am besten hoch, indem wir nach vorn blicken und der Öffentlichkeit neben den international bekannten Lapponia-Künstlern interessante, vielversprechende Schmuckdesigner vorstellen.“
Treffender könnte man Mari Isopahkala nicht beschreiben.